Verhalten zu verändern ist ein intensiver, nicht linearer Prozess.
Auch wenn wir glauben, alte Muster abgelegt zu haben, kann es passieren, dass wir wieder in sie zurückfallen – das ist keine Niederlage, sondern eine Ehrenrunde.
Genau in solchen Momenten dürfen wir besonders liebevoll mit uns selbst umgehen und erkennen: Entwicklung ist ein Weg, kein Ziel.
Veränderung – dieses große Wort, das so oft mit Neuanfang, Wachstum, Heilung und Mut verbunden ist. Es klingt manchmal leicht und fast romantisch: „Ich verändere mich, ich wachse über mich hinaus.“ Doch wer schon einmal ernsthaft versucht hat, ein Verhalten zu ändern, das tief verankert ist, weiß: Veränderung ist oft keine gerade Linie. Es ist eher wie ein Tanz – zwei Schritte vor, einer zurück, eine Pirouette, ein Umweg und manchmal auch… eine Ehrenrunde.
Ich höre immer wieder, wie Menschen ihr Verhalten ändern wollen – unter anderem zum Thema Grenzen setzen oder Selbstwert stärken. Auch mal „frech“ sagen zu können, was sie denken, keine People Pleaser mehr sein, kein Everybodys Darling. Aber wie funktioniert es eigentlich, ein bestimmtes Verhalten zu ändern?
Wir stehen ja in der Früh nicht als komplett neuer Mensch auf.
Ja, es ist harte Arbeit, an sich selbst zu arbeiten. Eventuell alte Glaubenssätze abzulegen oder einfach zu überprüfen, ob diese überhaupt noch zu uns passen. Der Veränderungsprozess läuft nicht linear ab. Nein, er läuft mal rauf, dann wieder runter, plötzlich biegen wir links ab, obwohl wir eigentlich nach rechts wollten. Oder es hat nach einem langen Prozess endlich funktioniert: Du hast es geschafft, ein authentisches Leben zu führen. Du fühlst dich klarer, mutiger, verbundener mit dir selbst.
Und dann? Plötzlich passiert es. Trotz erlernter Strategien und neu angelegter Muster fällst du wieder in ein altes Muster zurück. Overthinking fängt wieder an – etwas, das du längst hinter dir gelassen dachtest. Du hast wieder einmal „Ja“ gesagt, obwohl du „Nein“ meintest. Du ärgerst dich über dich selbst. Gedanken wie „Wieso hab ich so einen Blödsinn wieder gemacht?“, „Ich habe versagt“, oder „Ich schaffe das nicht“ schleichen sich wieder ein.
Und hier kommt das, was ich dir mitgeben möchte:
Keine Panik – das ist kein Rückschlag. Das ist einfach nur eine Ehrenrunde.
Was ist eine Ehrenrunde?
Die Ehrenrunde ist kein Zeichen des Versagens. Sie ist ein Teil des Weges. Eine Art „System-Check“ deines alten Verhaltensmusters. Sie fragt dich: „Funktioniert das alte Verhalten noch für dich?“ Und manchmal lässt du dich kurz darauf ein – nicht weil du schwach bist oder alles „verlernt“ hast, sondern weil du ein Mensch bist.
Diese Ehrenrunden sind normal. Sie sind sogar wichtig. Sie helfen uns, noch bewusster zu werden. Sie sind ein Prüfstein, der uns zeigt, wo wir stehen. Und manchmal müssen wir alte Wege noch einmal betreten, um zu spüren, wie sehr sie uns eigentlich nicht mehr passen.

Der innere Dialog entscheidet
Was in solchen Momenten besonders wichtig ist: dein innerer Dialog. Viele Menschen sind im Umgang mit sich selbst viel strenger als mit anderen. Zu einem anderen Menschen würden wir nie sagen: „Du Versager“, oder „Du bist ja dumm.“ Wir würden ihn liebevoll auffangen und sagen: „Das macht ja nichts, das kann passieren.“, oder „Beim nächsten Mal hast du wieder die Chance, dich anders zu entscheiden.“
Warum also nicht auch mit sich selbst so sprechen?
Gerade wenn wir auf einer Ehrenrunde unterwegs sind, brauchen wir Selbstmitgefühl. Wir dürfen anerkennen, dass Veränderung ein Prozess ist. Dass Rückschritte dazugehören. Dass wir nicht versagen, sondern Erfahrungen machen. Vielleicht kennst du diesen Satz: „Rückfälle sind Teil der Heilung.“ Und genauso ist es.
Alte Muster – Warum sind sie so hartnäckig?
Alte Muster haben sich aus einem bestimmten Grund gebildet. Sie waren einmal ein Schutzmechanismus. Vielleicht hast du als Kind gelernt, dass man lieber keine Grenzen setzt, weil das sonst zu Konflikten oder Ablehnung führt. Vielleicht war es sicherer, es allen recht zu machen. Vielleicht war es damals klug, dich anzupassen.
Diese Verhaltensweisen haben dir in einer bestimmten Lebensphase geholfen zu überleben, dich sicher zu fühlen oder dazuzugehören. Und deshalb sind sie so tief verankert. Sie laufen wie Autopiloten ab, wenn wir unter Stress stehen, müde sind oder emotional überfordert. Und genau dann klopft das alte Muster an und sagt: „Soll ich übernehmen?“
Das bedeutet nicht, dass du rückfällig geworden bist. Es bedeutet, dass du menschlich bist.
Veränderung braucht Wiederholung und Geduld
Manchmal denken wir, wenn wir etwas „verstanden“ haben, dann müssten wir es auch gleich verändern können. Aber nur weil wir etwas erkannt haben, heißt das nicht, dass es schon in jeder Zelle unseres Körpers angekommen ist. Veränderung braucht Wiederholung. Und sie braucht Geduld.
Es ist wie beim Muskeltraining. Du gehst nicht einmal ins Fitnessstudio und bist danach dauerhaft fit. Du wiederholst. Du übst. Du gehst auch an Tagen, an denen du keine Lust hast. Du machst Fortschritte, hast vielleicht Muskelkater, manchmal fehlt dir die Motivation – und trotzdem gehst du weiter. Genau so ist es mit der inneren Arbeit.
Fazit
Wenn du dich auf den Weg machst, dein Verhalten zu verändern – sei es durch das Setzen klarer Grenzen, mehr Selbstwert oder weniger Anpassung – dann wird es Tage geben, an denen du zurück in alte Muster fällst. Und das ist in Ordnung.
Es ist keine Niederlage. Es ist eine Ehrenrunde.
Ein Moment des Innehaltens, des Prüfens, des inneren Justierens. Und vor allem: ein Moment, in dem du besonders liebevoll mit dir selbst sein darfst.
Denn genau da, in dieser Zärtlichkeit mit dir selbst, beginnt wahre Veränderung.
Weiterführende Quellen:
Wikipedia zum Thema: Transtheoretisches Modell (kognitive Phasen des Veränderungsprozesses)
EinzigDu.at
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